Konzepte für neue Landschaften - Nachhaltigkeit in Biosphärenreservaten
Biosphärenreservate haben zum Ziel, großräumige und durch traditionell vielfältige Nutzung geprägte Natur- und Kulturlandschaften einschließlich der darin historisch gewachsenen Vielfalt an Biotopen und Arten zu schützen und zu entwickeln (vgl. § 25 Bundesnaturschutzgesetz). Dabei sollen sie gleichzeitig beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von Wirtschaftsweisen dienen, die die Natur besonders schonen. Die nachhaltige Nutzung durch den Menschen gehört damit zum Konzept der Biosphärenreservate.
Hierzu fand am 9. und 10. März 2010 eine öffentliche Fachveranstaltung im Bundesamt für Naturschutz in Bonn statt mit dem Ziel, Außensicht und Innensicht der Biosphärenreservate in einem kritischen Dialog zusammenzubringen. Zunächst stellten Experten Ergebnisse aktuell laufender Untersuchungen in Biosphärenreservaten vor. Anschließend ermöglichten Vertreter von Biosphärenreservaten einen Einblick in ihre derzeitigen Schwerpunkt-Projekte. Themen waren die Wahrnehmung der Biosphärenreservate, Ansprüche an die Landnutzung (auch unter Berücksichtigung von nachwachsenden Rohstoffen und des Klimawandels), Fragen regionaler Vermarktung und neuer Wirtschaftsstrukturen, Aspekte der Bevölkerungsentwicklung, Beeinflussbarkeit von Planungsprozessen durch Biosphärenreservate, Optimierung von Governance-Strukturen und der Ökosystemleistungen der Biosphärenreservate. Die sich anknüpfenden Diskussionen verliefen engagiert und lebhaft und gaben Hinweise zu konstruktiven Lösungsansätzen zur Behebung derzeitiger Probleme.
Foto: N. Eckelt
Hintergrund:
1996 legte die UNESCO die Sevilla-Strategie für Biosphärenreservate als Reaktion auf die Ergebnisse der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro (Agenda 21 und Konvention über die biologische Vielfalt) vor. Sie bilanziert das seit Mitte der 1970er Jahre im Weltnetz der Biosphärenreservate Erreichte und definiert neue Handlungsschwerpunkte, Ziele, Teilziele und Indikatoren für die internationale, die nationale und die lokale Ebene des Netzes von Biosphärenreservaten mit einer neuen und verstärkten Ausrichtung auf nachhaltiger Entwicklung. Die Sevilla-Strategie stellt damit ansatzweise ein "Prüfinstrument" für viele Bereiche dar. In den vergangenen Jahren sind in den dreizehn durch die UNESCO anerkannten Biosphärenreservaten der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche bedeutende Aktivitäten zur Umsetzung der Sevilla-Strategie gelaufen.
Die Überprüfung der Biosphärenreservate durch das Deutsche MAB-Nationalkomitee zwischen 2001 und 2006 im Hinblick auf die Erfüllung der "Internationalen Leitlinien" für das Weltnetz der Biosphärenreservate (Deutsches MAB-Komitee 2004, BfN 2008, s. u.) bestätigte viele Fortschritte und lobte eine effiziente Arbeit der Verwaltungen. Defizite sieht das Deutsche MAB-Nationalkomitee in der Kommunikation des Biosphärenreservat-Konzeptes nach innen und außen, in wirksamen und innovativen Strategien zur Förderung der nachhaltigen Regionalentwicklung sowie in der Förderung und Bündelung der umweltbezogenen Forschung.
Der auf dem letzten Weltkongress zum MAB-Programm im Jahr 2008 verabschiedete „Madrid Action Plan“ beschäftigt sich insbesondere mit den wachsenden Herausforderungen und Problemen des 21. Jahrhunderts. Er verdeutlicht die Notwendigkeit, Anpassungsstrategien zu entwickeln, die die nachhaltige Entwicklung in den Biosphärenreservaten forcieren, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels und des zunehmenden Verlustes der biologischen und kulturellen Vielfalt und die Folgen für die Ökosysteme sowie deren Leistungen für den Menschen und die Gesellschaft („ökosystemare Dienstleistungen“).
Ausgehend von den Inhalten der Sevilla-Strategie, den Ergebnissen der Überprüfung der Biosphärenreservate durch das MAB-Nationalkomitee (2001-2006), des Madrid Action Plans von 2008 sowie eigenen Analysen möchte der DRL untersuchen und bilanzieren, inwieweit die o. g. Strategien und Planungen umgesetzt sind und ggf. Vorschläge und Empfehlungen entwickeln, die zur geforderten stärkeren Einbindung und besseren Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen speziell in Biosphärenreservaten beitragen.
Unter Einbeziehung der sich ändernden Landnutzungen, verschiedenen Formen der Energieerzeugung, Wirtschaftsbezüge, regionaler Vermarktung, demografischer Entwicklung, rechtlicher Vorgaben für Natur- und Kulturlandschaften sowie Aspekten des globalen und lokalen Klimas sollen konkret
- neue angepasste, naturverträgliche Formen nachhaltiger Landnutzung für Kulturlandschaften vorgestellt und diskutiert sowie
- Wirtschaftsmodelle zur Unterstützung der Schutzziele gezeigt, die zu mehr Nachhaltigkeit führen und die biologische Vielfalt erhalten und
- Vorschläge zu den hierfür notwendigen Governance-Strukturen gemacht werden.
Die Ergebnisse des Vorhabens werden später veröffentlicht und den für
die Umsetzung der Vorschläge und Empfehlungen zuständigen und
betroffenen Stellen insbesondere den Biosphärenreservatsleitungen und den zuständigen Akteuren in Politik, Verwaltung, Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.
Das Projekt
wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln
des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und durch Mittel der
Lennart-Bernadotte-Stiftung.
|