Anforderungen an den Aus- und Umbau der Energienetze – aus der Sicht von Naturschutz, Landschafts- und Kulturlandschaftspflege

Deutschland forciert den Ausbau der erneuerbaren Energien, um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern und wichtige nationale und internationale Klimaschutzziele (Reduzierung der CO2-Emissionen) zu erreichen. Spätestens seit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraftnutzung zweifelt weder Politik noch Gesellschaft an der Notwendigkeit der Nutzung erneuerbarer Energien. Auch im Naturschutz und der Landschaftspflege wird diesen Zielen zugestimmt, allerdings nur unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen und Bedingungen. Die Politik hat wichtige rechtliche Voraussetzungen zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien (EEG u. a.) geschaffen. In Deutschland werden inzwischen erfolgreich große Mengen Strom vor allem durch Windenergieanlagen im Norden und Fotovoltaikanlagen im Süden produziert, die in das Energieleitungsnetz eingespeist und zum Konsumenten transportiert werden müssen. Hierfür reicht derzeit die vorhandene Energieleitungsinfrastruktur nicht aus: die Kapazitäten müssen dringend um- und ausgebaut werden. U. a. seitens der Deutschen Energieagentur und der Bundesregierung liegen Vorschläge zum Bedarf neuer Leitungen und zur Transformation der Energieinfrastruktur vor, auch gesetzliche Grundlagen dafür wurden geschaffen (EnLAG und NABEG). Die Realisierung schreitet dennoch kaum voran, weil die Akzeptanz der Menschen vor Ort oft fehlt und zudem das Planungs- und Genehmigungsrecht in Zusammenhang mit dem Ausbau der Energieinfrastruktur kompliziert ist.

Im aktuellen Projekt des DRL zusammen mit dem Bund Heimat und Umwelt in Deutschland e. V. (BHU) werden die Aspekte Naturschutz und Kulturlandschaftspflege beim Aus- und Umbau der Energienetze beleuchtet, da der Naturschutz aufgerufen ist, seine Forderungen für einen natur- und umweltverträglichen Aus- und Umbau des länderübergreifenden Energienetzes und der Infrastruktur im Rahmen der notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen und der Eingriffs-/ Ausgleichsregelung einzubringen, vorhandene Instrumente und Standards zu verteidigen und seinen Beitrag zur Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu leisten, auch um nicht als Verhinderer dargestellt zu werden.

Mit dem F+E-Vorhaben "Anforderungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege an den Energienetzumbau", sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Die fachlich zu beachtenden grundsätzlichen Ansprüche von Naturschutz, Landschaftspflege und Kulturlandschaftspflege in Zusammenhang mit dem Um- und Ausbau des Energienetzes sollen zusammengestellt und gewürdigt werden.
  • Es sollen ferner die Standards vorgestellt und bewertet werden, die bisher in den Planungs- und Genehmigungsprozessen in Zusammenhang mit Energieleitungen in den Bundesländern einzuhalten und zu berücksichtigen sind.
  • Es sollen aus dem Vorangegangenen zusammenfassende Empfehlungen aus Sicht des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der Kulturlandschaftspflege vorgelegt werden, deren Umsetzung im künftigen Planungs- und Genehmigungsprozess zur Beschleunigung des Energienetzum- und -ausbaus beitragen.
  • Damit soll zugleich ein Beitrag im Sinne von Good Governance zur gegenseitigen Akzeptanz (Netzplaner – Netzbetreiber – Genehmigungsbehörden – Betroffene) und zur Versachlichung der Diskussion geleistet und die Kommunikation auf allen Ebenen verbessert werden.

Die zweite Fachtagung am 27./ 28. September 2012 hat folgende Aspekte beleuchtet: Chancen einer bundesweiten Kompensationsverordnung, ökologische Bedeutung von Waldschneisen unter Freileitungen, Landschaftsbildfragen, Netzentwicklungsplan und seine Weiterentwicklung, Anbindung von Offshore Windanlagen an das Energienetz an Land, Speicher und Speichertechniken, Zentrale/ dezentrale Lösungsansätze für den Netzum- und Ausbau, Europäische Dimension der Energieversorgung. Die Schwerpunkte Bewertung von Eingriffen durch Freileitungen und Kabel, Kommunikation und Akzeptanz wurden in Workshops erarbeitet.

Im Rahmen der ersten Fachtagung "Aus- und Umbau der Energienetze - aus der Sicht von Naturschutz und Kulturlandschaftspflege" am 8./ 9. März 2012 im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit", Bonn stattfindet, wurden vor diesem Hintergrund

  • die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt und diskutiert,
  • die Auswirkungen von Freileitungen und Kabeln und dazu gehörender Infrastruktur auf die Gesundheit, Natur und Umwelt sowie auf Landschaftsbild und Kulturlandschaft beschrieben,
  • sich daraus ergebende Anforderungen bzw. einzuhaltende Standards des Natur- und Umweltschutzes sowie des Landschaftsbildes/der Kulturlandschaft abgeleitet und diskutiert .
  • Darüber hinaus wurde beleuchtet, wie Information der Öffentlichkeit und Partizipation im Sinne von Good Governance (Netzplaner – Netzbetreiber – Genehmigungsbehörden – Betroffene) ausgestaltet sein müssen, um höhere Akzeptanz für erforderliche Ausbaumaßnahmen zu erreichen.
Das F+E-Vorhaben wird unter der Federführung des DRL zusammen mit dem Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) - Bundesverband für Natur- und Denkmalschutz, Landschafts- und Brauchtumspflege e. V. bearbeitet.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der beiden Fachveranstaltungen und weitergehender Recherchen werden der Deutsche Rat für Landespflege und der Bund Heimat und Umwelt eine Stellungnahme mit Empfehlungen für einen naturverträglichen Umbau der Energienetze erarbeiten.

Deutscher Rat für Landespflege (DRL)
Konstantinstr. 73
53179 Bonn
www.landespflege.de

Ansprechpartner/innen:
Prof. Dr. Werner Konold
Prof. Dr. Johann Schreiner
Angelika Wurzel
Ute Borchers

Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)
Adenauerallee 68
53113 Bonn
www.bhu.de

Ansprechpartner/in:
Dr. Inge Gotzmann
Dr. (des.) Martin Bredenbeck

 

Auftraggeber des Vorhabens sind die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland:

50Hertz Transmission GmbH
Eichenstraße 3A
12435 Berlin
www.50hertz.com
Ansprechpartner:
Oliver Britz
TransnetBW GmbH
Unternehmenszentrale Stuttgart
Kriegsbergstr. 32
70174 Stuttgart
transnet-bw.de
Ansprechpartner:
Felix Obenland
TenneT TSO GmbH
Bernecker Str. 70
95448 Bayreuth
www.tennettso.de
Ansprechpartner:
Axel Schomberg
Amprion GmbH
Zentrale
Rheinlanddamm 24
44139 Dortmund
www.amprion.de
Ansprechpartner:
Dirk Uther

Die Lennart-Bernadotte-Stiftung fördert das Vorhaben

letzte Aktualisierung: 11.10.2013